Internationaler Tag der Pflege

Zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai 2020 stellen wir unser Pflegefachpersonal in seinen unterschiedlichen Facetten vor. Fünf Pflegefachpersonen der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel erzählen von sich und ihrem Alltag. Was macht eine Pflegefachperson in der Psychiatrie? Wie entscheidet man sich zu diesem Beruf? Welche persönlichen Highlights erleben sie an ihren Arbeitstagen?

Lesen Sie die Kurzportraits für einen Blick hinter die Kulisse der Pflege der UPK Basel.

Spannende Rollenwechsel

Ich schlüpfe während meiner Arbeit als Pflegefachperson in der Psychiatrie in verschiedene Rollen. Zuerst bin ich eine Fremde, die sich den Patientinnen und Patienten als Bezugsperson anbietet. Später bin ich Lehrerin, Beraterin oder auch einfach Zuhörerin. Diese Rollenwechsel machen den Pflegeberuf sehr spannend und abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll. Und genau dies reizt mich an der Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen. Aus den teils schwierigen oder auch traurigen Situationen lernen schlussendlich alle Beteiligten und können sich weiterentwickeln, die Patientinnen und Patienten und das interdisziplinäre Team. Wir arbeiten in interdisziplinären Teams mit Pflege und Therapeuten sehr eng zusammen. Dabei werden mit den Patientinnen und Patienten Themen wie die Deliktaufarbeitung, Selbststrukturierung oder der Umgang mit der eigenen Erkrankung besprochen. Wir unterstützen uns in allen Belangen und können Fragen gemeinsam diskutieren. Und der Humor kommt dabei nicht zu kurz. Neben der engen Betreuung gehört auch die Begleitung der Patientinnen und Patienten im stationären Alltag zu meinem Beruf. Dabei ist auch Platz für ein Gesellschaftsspiel oder ein lockeres Gespräch, um die Beziehung stärken zu können und ein Stück weit ein Gefühl der Normalität zu erlangen. Wegen COVID-19 erleben unsere Patientinnen und Patienten in der Forensik viele Einschränkungen, zum Beispiel die Streichung ihrer begleiteten und unbegleiteten Ausgänge. Deswegen haben wir kürzlich gemeinsam grilliert am Wochenende und Volleyball gespielt. Die Patientinnen und Patienten konnten so für einen kurzen Moment die schwierige Situation vergessen. Speziell im forensischen Rahmen fallen auch die Wahrung der Sicherheitsaspekte in das Aufgabengebiet der Pflege.

Rahel Traber, Bachelor of Nursing Science
Pflegefachfrau, Abteilung R4, Klinik für Forensik

Aus dem Versicherungsbüro in die Pflege

Nach zehn Jahren in der Versicherungsbrache kam für mich der Zeitpunkt für einen Tapetenwechsel. Beim Zivildienstpraktikum im Alterszentrum reifte bei mir der Gedanke, mich zur Pflegefachperson auszubilden. Die Nähe zu den Menschen und die Befriedigung, die dieser Beruf mit sich bringt, kannte ich bis dahin nicht aus meiner täglichen Arbeit. Als Pflegefachperson in der Psychiatrie ergänze ich mit meinem Wissen und mit meinen Kenntnissen die medizinische und therapeutische Komponente der Behandlung. Für meine Patientinnen und Patienten sowie für meine Arbeitskolleginnen und Kollegen bin ich eine kompetente Ansprechperson. Meine Arbeit besteht im Wesentlichen darin die Menschen zu begleiten, ihnen Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen um mit ihren Themen einen konstruktiven Umgang zu finden. Wir sind das Bindeglied zwischen Ärzteschaft und der Patientengruppe. Wir gestalten die Beziehung zu den Patientinnen und Patienten und deren Milieus und haben damit grossen Einfluss auf die Behandlungsqualität.

Thomas Lässer, dipl. HF
Hauptverantwortlicher Berufsbildner & Pflegefachmann, Haus B, Privatklinik

Langjährige Bezugspersonenarbeit

Ich blicke zurück auf eine bis dato 10-jährige Tätigkeit in den UPK Basel. Ausschlaggebend für die Wahl des Pflegeberufes war für mich, dass es eine einzigartige Kombination aus Arbeit für und mit Menschen, der Anwendung fachlichen Wissens und der Mitwirkung bei Forschung und Lehre bietet. Als Pflegefachperson in der Psychiatrie bin ich in erster Linie für die pflegerische Versorgung der Patienten und Patientinnen im Alltag zuständig. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Versorgung besteht aus der Bezugspersonenarbeit. Dies bedeutet, dass ich jeweils mehrere sogenannte Bezugspatienten zugeteilt bekomme und für deren Pflegeprozess verantwortlich bin. Gerade in der Psychiatrie bestehen diese Beziehungen oft über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Ich begleitete einen Patienten über einen langen Zeitraum hinweg: Die Behandlung und Beziehung war eine typische Berg- und Talfahrt, wie sie bei vielen abhängigen Patienten vorkommt. Über die Jahre hinweg äusserte er immer wieder den Wunsch, eines Tages eine mehrtägige Wanderung unternehmen zu wollen, welche er in seiner Jugend bereits einmal gemacht habe. Die Erinnerungen an die unbeschwerte Zeit, ohne Abhängigkeit, ohne Sorgen und Nöte, den schönen Ausblick von einer Alphütte abseits des Rummels der modernen Zeit, gab ihm auch in schweren Krisen Kraft in die Zukunft zu blicken. Nach einer erneuten Hospitalisation aufgrund eines Rückfalls, wurde der Patient nach erfolgter Entzugsbehandlung nach Hause entlassen. Einige Zeit später erhielt ich eine Postkarte von ihm «Ohne Reinhold Messmer zu spielen, habe ich viel Spass am Wandern gehabt. Ich konnte Energie tanken und nehme viele schöne unvergessliche Eindrücke mit nach Hause.» Diese Postkarte, mit dem Bild vom Fluss Clemgia und dem Almauftrieb hängt in meinem Büro und lässt mich in manch schwierigen Situationen auf ein kleines Erfolgserlebnis im Sinne eines positiven Feedbacks meiner Arbeit zurückblicken.

Katja Jermann, dipl. Abteilungsleiterin Gesundheitswesen, NDS HF
Abteilungsleitende Pflege U2 & Bereichsleitende Pflege (a.i.) Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen (ZAE), Klinik für Erwachsene

Kontakt und Kommunikation

Mir ist der Kontakt und der daraus resultierende Austausch mit Menschen wichtig. Ich habe täglich engen Kontakt mit den Patientinnen und Patienten. Dabei begleite ich sie durch den Alltag und gestalte diesen aktiv mit. Als Pflegefachperson bin ich zu allen Tages- und Nachtzeiten anwesend und erlebe Krisen der Patientinnen und Patienten hautnah mit. Ich gestalte eine Beziehung zu ihnen, indem ich in solchen Situationen beteiligt bin und diese in gemeinsamen Gesprächen reflektieren kann. Den engen Kontakt zu Patientinnen und Patienten kann ich durch meine kommunikativen Fähigkeiten pflegen. Dies kann verbal sowie auch nonverbal erfolgen. Ich war die Bezugsperson eines Patienten, der psychotisch und misstrauisch war und keine Gespräche zuliess. Der Patient war obdachlos und hatte wenig soziale Kontakte. Während meiner Bezugspersonenarbeit lernte er mich sowie ich ihn aufgrund von Tätigkeiten wie zum Beispiel dem Kochen kennen. Während dem Hantieren in der Küche konnte ich unbeschwert mit dem Patienten über sein Erlebtes sprechen. Im Beziehungsaufbau spielte die Zeit eine wichtige Rolle. Das Vertrauen des Patienten mir gegenüber ist stetig gestiegen. Die psychiatrischen Symptome verschwanden nicht komplett, trotzdem schien der Patient mit seiner Situation ehrlicher umzugehen.

Dimitri Hohl, Bachelor of Nursing Science
Fachverantwortlicher Pflege Abteilung Psychose im Alter (APA), Klinik für Erwachsene

Geschichten aus dem Alltag

Als Pflegewissenschaftlerin will ich einen Beitrag zur Evidenzbasierung der pflegerischen Praxis und damit zum Wohl der Patientinnen, Patienten und deren Zugehörigen leisten. Zu meinen Kernaufgaben gehört die Initiierung, Leitung und Mitarbeit in Forschungs- und Evaluationsprojekten, in Projekten für die Fachentwicklung Pflege sowie in der Lehre und Beratung. Die psychiatrische Pflege konzentriert sich auf die personzentrierte Unterstützung in der Krankheitsbewältigung. Dabei stehen der Alltag und das alltägliche Leben in ihrem Fokus. Deshalb ist die Pflegefachperson selbst ihr wichtigstes Instrument, was eine grosse Reflexionsfähigkeit erfordert.
Derzeit sammeln wir Geschichten von Pflegefachverantwortlichen in denen sie beschreiben was ihren Beruf ausmacht. Beim Lesen dieser Geschichten geht mir das Herz auf, weil sie den theoretischen Anspruch der Pflege ganz praktisch sichtbar machen.
Ich geniesse die Kombination aus wissenschaftlicher Arbeit in enger Verbindung mit der Pflegepraxis. Ich mag den wunderschönen Park und die alten Bäume in den UPK sehr. Zudem schätze ich die multidisziplinäre Zusammenarbeit und den freundlichen Umgang miteinander.

Susanne Schoppmann, Dr. rer. medic, Dipl. Pflegewirtin (FH), Fachkrankenschwester für psychiatrische Pflege
Pflegewissenschaftlerin der Abteilung Entwicklung und Forschung der Direktion Pflege, MTD, Soziale Arbeit

Notfallkontakt

Erwachsene:

Patientenaufnahme und Notfall Psychiatrie (24h täglich)

Universitäre Psychiatrische Kliniken (UPK) Basel
Wilhelm Klein-Str. 27, Basel
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Tel. +41 61 325 51 00

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Montag bis Freitag,
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Privatpatienten
Wilhelm Klein-Strasse 27
4002 Basel
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​​​​​​​Tel. +41 61 325 51 00

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Bei Notfällen ausserhalb der Öffnungszeiten (24h täglich)

Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
Spitalstrasse 33, Basel
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Tel. +41 61 325 51 00

Poliklinik
Kornhausgasse 7, Basel
Montag bis Freitag,
8 – 12 Uhr und 13 – 17 Uhr
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Tel. +41 61 325 82 00