Lockdown im Jugendheim: Grösste Sorge um eigene Familie

Der Lockdown hat sich besonders gravierend auf Jugendliche ausgewirkt, die in Heimen leben. Eine länderübergreifende Studie unter Beteiligung der UPK brachte zum Vorschein, dass sich die Jugendlichen vor allem um die eigene Familie sorgten.

Jugendliche, die in der Schweiz, in Deutschland, Luxemburg und Österreich in Heimen leben, haben im Rahmen einer Online-Befragung geschildert, wie es ihnen während des Corona-Lockdowns ergangen ist. Über die Hälfte der jungen Menschen, die häufig aus psychosozial hoch belasteten Familien stammen, erlebte die Einschränkungen als massiv. Der fehlende persönliche Kontakt zur eigenen Familie wurde als besonders belastend empfunden. Knapp die Hälfte war besorgt, dass Familienmitglieder erkranken könnten. Negative finanzielle Konsequenzen für die Familie wurde von einem Drittel der Jugendlichen als Grund zur Sorge angegeben, gefolgt von der psychischen Belastung für die Eltern und Geschwister. Neun Prozent befürchteten Ausbrüche häuslicher Gewalt.

Mehrheit fühlte sich gut begleitet
Die sozialpädagogischen Fachkräfte waren besonders gefordert, die Jugendlichen durch diese Zeit zu begleiten. Wie gut das in der Wahrnehmung der Jugendlichen gelungen ist, wurde von der Studie ebenfalls untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Jugendlichen, die bereits vor Corona ein überdurchschnittlich gutes Verhältnis zu ihren Bezugspersonen im Heim hatten, den Umgang der Institution mit der Krise besonders positiv bewerteten und die Phase der Kontaktbeschränkungen besser ertragen konnten. Insgesamt fühlten sich zwei Drittel der Jugendlichen gut durch die Corona-Krise begleitet. Es ist den Sozialpädagoginnen und -pädagogen gelungen, besondere Ressourcen bei den Jugendlichen zu aktivieren und deren Zusammenhalt zu stärken.

EQUALS: Kooperation von UPK und Integras
Die Online-Umfrage wurde von EQUALS initiiert, einer Zusammenarbeit der UPK Klinik für Kinder- und Jugendliche und des Fachverbandes Integras. Ziel der Studie war es, für die spezifischen Bedürfnisse der Jugendlichen in Heimen zu sensibilisieren, die in einer solchen Ausnahmesituation entstehen. Zudem sollte aufgezeigt werden, was die sozialpädagogischen Fachkräfte während des Lockdowns geleistet haben.

Am 1. Oktober werden die Resultate im Rahmen eines Online-Fachhalbtages mit Vertretern der Fachöffentlichkeit diskutiert.

Bei Fragen können Sie sich an Marc Schmid wenden, Leitender Psychologe an der UPK Klinik für Kinder und Jugendliche, marc.schmid@STOP-SPAM.upk.ch, Tel. 061 325 82 54.

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