Von der Jazztrompete zur eigenen Tour
Musik begleitet mich schon seit über 18 Jahren. Angefangen hat alles mit der Jazztrompete, bevor ich mich auf die Suche nach einer Band gemacht habe. Irgendwann fragten mich zwei Freunde aus meiner damaligen Nachbarschaft, ob ich mitmachen möchte – und so bin ich zur Band gestossen.
Am Anfang waren wir zu dritt. Über die Jahre veränderte sich die Besetzung immer wieder, und ich wurde zum «französischen» Frontsänger der Band. Seit 2021 spielen wir in einer festen Konstellation zusammen – in diesem Jahr feiern wir bereits unser zehnjähriges Bandjubiläum.
Was als gemeinsames Projekt unter Freunden begann, hat sich stark entwickelt. Nach einem Label-Vertrag in Deutschland und einem Kurzalbum von 2021 konnten wir erstmals grössere Aufmerksamkeit gewinnen: mehr Publikum, unser erster Hit – das war intensiv und prägend. Letztes Jahr spielten wir dann unsere erste eigene Tour durch Deutschland und die Schweiz. Aktuell arbeiten wir an unserem nächsten Album, das im kommenden Jahr erscheinen soll.
Die kleinen und grossen Momente
Auch nach all den Jahren bin ich vor Auftritten noch nervös. Das gehört für mich dazu, weil man sich auf der Bühne sehr persönlich zeigt. Gleichzeitig hilft mir die gewonnene Routine, den Moment auf der Bühne heute oft noch bewusster zu geniessen. Und die Vorfreude ist immer riesig, gemeinsam mit den Jungs Musik zu machen und diesen Moment mit dem Publikum zu teilen.
Ein besonderes Highlight für mich war ein Festival im letzten Jahr, bei dem wir vor «The Kooks» und «Milky Chance» vor rund 4'000 Menschen spielen durften. Viele kannten uns nicht, aber sie haben mitgesungen und mitgefeiert.
Mindestens genauso wertvoll sind für mich aber die kleinen Momente. Letzten Sommer waren wir gemeinsam in Südfrankreich surfen und spielten auf Campingplätzen kleine Konzerte. Einfach mit Freunden unterwegs zu sein und ohne grosse Produktion Musik zu machen, war etwas ganz Besonderes.
«Kreativität spielt in Musik und Pflege eine wichtige Rolle»
Neben der Musik arbeite ich auf der Kriseninterventionsstation. So unterschiedlich beide Welten wirken: Sie haben vieles gemeinsam und ergänzen sich oft.
In meinem Beruf begegne ich täglich Menschen in sehr unterschiedlichen und oft herausfordernden Lebenssituationen. Das beeinflusst auch meine Musik und spiegelt sich manchmal in Songtexten wider. Erfahrungen aus dem Pflegealltag helfen mir aber auch, Dinge zu relativieren und in stressigen Situationen ruhig zu bleiben. Vor allem hat mich meine Arbeit gelehrt, meine eigenen Privilegien wahrzunehmen.
Umgekehrt nehme ich auch viel aus der Musik in meinen Berufsalltag mit. Kreativität spielt in beiden Bereichen eine wichtige Rolle. In der Pflege gibt es selten Patentlösungen. Jeder Mensch ist anders und man muss immer individuelle Lösungen finden. Auch die Erfahrung, vor Menschen zu stehen, zu kommunizieren und Verbindungen aufzubauen, hilft mir im Pflegealltag enorm.
Musik ist für mich ausserdem ein wichtiger Ort, um Energie zu tanken. Während es in meiner Arbeit vor allem um die Bedürfnisse anderer Menschen geht, darf es in der Musik auch mal um mich selbst gehen. Dort kann ich Dinge verarbeiten, abschalten und Zeit mit meinen Freunden verbringen.
Letztlich geht es in beiden Welten darum, Beziehungen aufzubauen und Menschen zu erreichen, sei es in Gesprächen oder über Musik. Beides gibt mir unglaublich viel.
Teamsupport als wichtige Ressource
Bei allen musikalischen Erfolgen, die ich mit der Band erleben durfte – am meisten stolz bin ich darauf, dass ich meine Arbeit und meine Musik über all die Jahre unter einen Hut bringen konnte. Das war nicht immer einfach. Während meiner Ausbildung zum Pflegefachmann spielte ich zum Beispiel gleichzeitig Tourneen. Am Ende tut mir jedoch genau diese Vielfalt gut. Aber: Ohne die entsprechenden Strukturen, die das ermöglichen, würde es gar nicht gehen. Ein riesiges Privileg in den letzten Jahren war und ist für mich mein tolles Team auf der Arbeit, das mich versteht und bei diesem Spagat voll unterstützt.