Im Januar 2026 lädt der «Dry January» in der Schweiz bereits zum sechsten Mal dazu ein, einen Monat lang freiwillig auf Alkohol zu verzichten. Was 2013 in Grossbritannien begann, ist heute eine internationale Bewegung mit Millionen Teilnehmenden. Ziel ist es, den eigenen Alkoholkonsum bewusst zu hinterfragen und neue Erfahrungen im Alltag ohne Alkohol zu machen. In der Schweiz wird die Kampagne vom Blauen Kreuz, dem Fachverband Sucht, von GREA sowie Sucht Schweiz getragen. Unterstützt wird die Aktion unter anderem durch die App «Try Dry», die beim Durchhalten hilft und Raum für Reflexion bietet.
Neue Erfahrungen sammeln
Alkohol ist hierzulande stark in der Alltagskultur verankert: Rund 85 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren trinken regelmässig, etwa jede fünfte Person in problematischem Ausmass. Der Dry January kann laut Dr. Margit Proescholdt, Leitende Ärztin am Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen (ZAE) an den UPK, eine wertvolle Gelegenheit sein, den eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern. «Der Dry January bietet die Möglichkeit, den eigenen Alkoholkonsum zu überdenken und bewusst zu erleben, wie es einem ohne Alkohol geht.» Viele Menschen berichteten unter Alkoholverzicht von positiven Veränderungen wie mehr Energie, besserer Stimmung oder gesteigerter Vitalität. «Macht man die Erfahrung, dass es einem ohne Alkohol besser geht, kann dies ein Anlass sein, den Konsum auch über den Januar hinaus einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten», so Margit Proescholdt.
Wenn der Verzicht schwerfällt
Der Alkoholverzicht kann jedoch auch unangenehme Reaktionen auslösen. Treten Symptome wie Zittern, Schwitzen, Schlafstörungen oder starke Verstimmtheit auf, kann dies auf einen bereits problematischen Alkoholkonsum hindeuten. In solchen Fällen rät Margit Proescholdt dringend, ärztliche Hilfe oder eine Suchtberatung in Anspruch zu nehmen. Besteht bereits ein problematischer Konsum oder eine Alkoholabhängigkeit mit aktivem Konsum, kann der Dry January ebenfalls ein sinnvoller Anlass sein, eine Behandlung erneut in Erwägung zu ziehen. Menschen, die bereits abstinent sind, können den Monat auch als Zeichen weltweiter Unterstützung erleben.
Ein Impuls über den Januar hinaus
Margit Proescholdt betont abschliessend: «In jedem Fall ist der Dry January ein guter Anlass, der eigenen Gesundheit etwas Gutes zu tun, das eigene Verhalten auszuloten und nebenbei auch noch Geld zu sparen.» Und sie ergänzt: «Der Dry January endet nicht zwingend im Februar – auch danach kann man den eigenen Alkoholkonsum kritisch hinterfragen und langfristig profitieren.»