Warum schlägt Ihr Herz für die Arbeit in der Psychiatrie, und welche persönlichen Werte bringen Sie in Ihre Rolle als CEO mit ein?
Die Begleitung von Menschen in schwierigen Lebenslagen hat mich schon seit meinem Studium fasziniert. Psychische Gesundung ist ein komplexer, aber zutiefst menschlicher Prozess und ich empfinde es als Privileg, Menschen auf diesem Weg zu unterstützen. Mich leiten dabei Werte wie Vertrauen, Offenheit und der Mut, auch schwierige Themen anzusprechen. Ebenso wichtig ist mir der Aufbau echter und tragfähiger Beziehungen sowie ein hohes Mass an ethischer Verantwortung.
Sie bringen den Blick von beiden Seiten mit: Sie waren viele Jahre als Psychiater und Psychotherapeut tätig, bevor Sie CEO einer psychiatrischen Institution geworden sind. Was ist Ihrer Meinung nach die unverzichtbare Grundlage für eine gute Patientenarbeit in der Psychiatrie?
Meine klinische Erfahrung hat mir gezeigt, dass erfolgreiche psychiatrische Behandlung immer Teamarbeit ist. Es braucht das Zusammenspiel verschiedener Expertinnen und Experten – Pflegende, Therapeutinnen und Therapeuten, Ärztinnen und Ärzte – und gleichzeitig den aktiven Einbezug der Patientinnen und Patienten sowie ihrer Angehörigen. Sie sind nicht nur Betroffene, sondern eine wichtige Ressource im Heilungsprozess. Jede Entscheidung, die wir treffen, muss den Menschen in den Mittelpunkt stellen.
Sie haben schon vor Ihrem offiziellen Start einige Bereiche der UPK kennengelernt. Was sind Ihre ersten Eindrücke?
Meine ersten Eindrücke sind durchweg positiv. Ich habe bereits einige sehr engagierte Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, die sich mit grossem Einsatz für die UPK stark machen. Es ist spürbar, dass hier ein hochkompetentes Team mit Leidenschaft für die Patientinnen und Patienten da ist.
Besonders gefreut hat mich die herzliche Begrüssung – nicht nur durch die Führungskräfte, sondern auch durch Mitarbeitende am Empfang, in der Hotellerie und überall auf dem Campus. Diese Freundlichkeit und Offenheit geben mir Sicherheit und machen mir grosse Freude, in den UPK zu starten.
Wenn Sie sich für Ihren Start in der Klinik eine «Superkraft» wünschen könnten: Welche wäre das, und warum gerade diese?
Ich würde mir die Fähigkeit wünschen, unausgesprochene Erwartungen zu erkennen – quasi ein «Hellseher» für die Zwischentöne. Denn erfolgreiche Führung bedeutet für mich, nicht nur Strukturen und Prozesse zu managen, sondern auch die leisen Signale wahrzunehmen, die für Zusammenarbeit und Vertrauen entscheidend sind. Mit dieser Superkraft könnte ich schneller Brücken bauen und sicherstellen, dass wir gemeinsam in die gleiche Richtung gehen.
Was macht darüber hinaus gute Führung für Sie aus?
Eine gute Führungskraft zeichnet sich für mich vor allem dadurch aus, dass sie «Walk the Talk» lebt – also das, was sie von anderen erwartet, selbst vorlebt. Diese Authentizität sowie die Fähigkeit, auch in schwierigen Momenten konstruktiv zu bleiben und Zuversicht auszustrahlen, sind für mich zentrale Erfolgsfaktoren.
Wir messen Erfolg oft in Zahlen. Welches Kriterium, das sich nicht in Quartalsberichten oder Statistiken abbilden lässt, ist Ihnen persönlich am wichtigsten?
Für mich ist das wichtigste Kriterium die Stimmung im Haus – das Klima, in dem wir miteinander arbeiten. Wenn Menschen sich respektiert fühlen, wenn Freundlichkeit und gegenseitige Anerkennung spürbar sind, entsteht eine Kultur, die nicht nur die Zusammenarbeit stärkt, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung.
Welche Eigenschaft bei Mitarbeitenden hat Sie in den letzten Jahren am meisten überrascht?
Mich hat immer wieder beeindruckt, welche kreativen Lösungsansätze Menschen entwickeln können, wenn man ihnen Vertrauen schenkt und sie befähigt. Im gemeinsamen Austausch können unterschiedliche Meinungen und Ideen zudem eine grosse Quelle für Inspiration darstellen. Dieses Prinzip der «Schwarmintelligenz» zeigt: Gemeinsam entsteht mehr, als jede einzelne Person für sich erreichen könnte.
Was sollen Kolleginnen und Kollegen spontan über Sie sagen, wenn sie in einem Jahr über die Zusammenarbeit sprechen?
Ich wünsche mir, dass Kolleginnen und Kollegen sagen: «Wir kennen unseren CEO und seine Werte. Er tut, was er sagt, und trägt spürbar zu einer positiven Stimmung in den UPK bei.»
Für mich ist es wichtig, dass ich die Kultur aktiv mitgestalte und Verlässlichkeit und Authentizität vorlebe.
Sie sind auch Verhaltenstherapeut: Haben Sie einen Tipp, den Sie gerne jedem Menschen mitgeben würden?
Als Therapeut sollte man ja keine Tipps geben, aber ich habe einen Gedankenanstoss dazu: Sorgen Sie sich weniger um Probleme, die vielleicht nie eintreten. Oder, um es mit einem bekannten Zitat von Mark Twain zu sagen: «Ich habe in meinem Leben viele Katastrophen erlebt – die meisten davon sind nie eingetreten.» Wir verschwenden oft Energie auf hypothetische Szenarien, statt im Hier und Jetzt zu leben.
*Nathan Keiser ist seit 1. Januar 2026 CEO der UPK Basel. Er kennt sich im Gesundheitswesen bestens aus, ist gut vernetzt und kann auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken: Nach seinem Medizinstudium an der Universität Zürich erlangte Nathan Keiser den Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zudem verfügt er über eine Ausbildung in kognitiver Verhaltenstherapie. Viele Jahre war er bei den Psychiatrischen Diensten Aargau tätig, bevor er in die Geschäftsleitung von Medgate wechselte und schliesslich 2018 CEO der Klinik SGM (Stiftung für Ganzheitliche Medizin) Langenthal wurde.